Holy Shit!

Letzte Woche war ich krank und tat, was die meisten in solchen Fällen tun: endlos vor dem Fernseher schlafen. Da kann es schon passieren, dass man sich fragt, wer nicht ganz bei Sinnen ist, ich oder Menschen, die Toilettensprays namens V.I.Poo erfinden.

V.I.Poo. Promi-Gaggi. What!?!

Ich öffnete mühsam ein Auge (das andere war irgendwo im Kissen vergraben), weil auf einem englischen TV-Sender grad eine muntere Stimme mit forciertem US-Akzent Ungeheuerliches behauptete: «Even a VIP needs to V.I.Poo!» – auch eine Berühmtheit muss mal Gross. Ist jetzt nicht wahr, oder? Scheints doch, denn die Stimme gehörte einer Blondine, die nun die korrekte Anwendung von V.I.Poo erklärte: Toilettenschüssel besprayen – und das ist der Clou – innen und VOR Geschäftsabschluss! Sofort verwandelt sich jede noch so dröge Toilette in einen Rosengarten!!!! Sofort!!!!! Eine Grafik veranschaulichte, wie der Spray in der Klo-Schüssel eine geruchsundurchlässige Blase bildet, während eine Art Hundetrockenfutter-Ringli hindurchfallen.

Bevor ich mein Auge schloss und wieder wegdöste, fand ich drei mögliche Erklärungen: Ich bin im Delirium. Die Grippemedikamente haben psychedelische Nebenwirkungen. Es läuft eine Satiresendung.

Am nächsten Tag ging es mir etwas besser und mir fiel dieser seltsame Fiebertraum wieder ein. Ich wurde unsicher: Gibts nicht wirklich, oder? Gibts. Vom renomierten Duftspray-Hersteller Air Wicks, in der Variante «Superstar» (Lavendel), «Idol» (Zitrone), «Starlet» (Rose) und «Pin Up» (Früchte!).

Damit ist der Beweis erbracht: Meine Grossmutter selig hatte unrecht!

Sie pflegte uns Kinder nämlich mit der Bemerkung «auch der Kaiser riecht nicht nach Rosen» zum Schweigen zu bringen, wenn wir in irgendwelchen Klos über olfaktorische Zumutungen die Nase rümpften. Als gebürtige Deutsche meinte sie wahrscheinlich Kaiser Willhelm II. und ihr Insiderwissen wird sie von ihrem Vater gehabt haben. Urgrossvater Otto (hinten Links) diente im ersten Weltkrieg Kaiser und Vaterland. Dass er den Monarchen je traf, ist eher unwahrscheinlich, aber wenn der Rosen oder Veilchen abgesondert hätte, wäre das Thema gewesen in den Schützengräben.

Duftsprays waren 1914 eben noch nicht erfunden

Duftsprays in Toiletten sind eine gute Sache, ich bin vehemete Befürworterin. Meinetwegen kann man die vor, während oder nach sprayen. Bloss den Namen V.I.Poo finde ich etwas sehr prätentiös, zumal die Dinger offenbar wesentlich teuerer sind als normale Raumerfrischer – und die Note «Lemon» kostet mehr als die anderen drei. Warum? Sind da Bio-Zitronen aus Sizilien drin?

An einem Promi-Anlass in Wimbledon benutzte ich mal das Klo, aus dem grad Ivana Trump rausgekommen war, die Mutter der heutigen Präsidententocher. Ich war ziemlich beeindruckt. Nicht wegen des Geruchs, weder Ivana noch ich hinterliessen eine Duftmarke, aber man setzt sich ja nicht jeden Tag auf den gleichen Thron wie ein internationaler VIP.

Unsere Ursula Andress-National übrigens löste an einer Veranstaltung in Bern das Problem ganz elegant: Ihre Bodyguards sperrten kurzerhand das ganze Damenklo. Während das ehemalige Bond-Girl musste, mussten zehn Damen im Gang warten.

Für die Firma Air Wick hätte ich da noch eine Geschäftsidee: V.I.P. Mundspray, anzuwenden, BEVOR eine Celebrity den Mund aufmacht Denn der Mist, den die manchmal rauslassen, stinkt zum Himmel. Denkbar wären die Duftnoten «Wahrheit», «Sinngehalt» und «Relevanz».

Hier der Clip:

One Comment

  1. Ruth Brüderlin

    Kleiner Nachtrag: Gestern Abend sah ich die brandneue Weihnachts-Edition dieses Spots. Ganz am Schluss sieht man jetzt die Blondine, wie sie Weihnachtsgeschenke einpackt. Bekommen alle einen V.I.Poo-Spray, ihr Boyfriend, ihr Coiffeur, ihr Stylist … da hast du dann wirklich die Bescherung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.